04.05.2016 19:42

Eleonore Dupuis – „Befreiungskind“ – Buchpräsentation an der Russischen Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität (RGGU) in Moskau am 26. April 2016

Schätzungen zufolge  („Besatzungskinder – die Nachkommen alliierter Soldaten in Österreich und Deutschland“ erschienen 2015 im Böhlau Verlag) kamen im ersten Nachkriegsjahrzehnt in Deutschland etwa 400.000 Kinder zur Welt, deren Väter Besatzungssoldaten waren, in Österreich waren es rund 30.000. Eine von diesen 30.000 Kindern ist die in St.Pölten/Niederösterreich geborene  Eleonore Dupuis. Mit ihrem Buch „Befreiungskind“  (erschienen  2015 im Liaunigg Verlag) entpuppte sie sich über Nacht zur internationalen Botschafterin dieser Thematik.

Am 26. April 2016 konnte Eleonore Dupuis in Moskau stolz die russische Fassung ihres Buches in einem festlichen Rahmen präsentieren.

Die Eröffnung des Events erfolgte durch den Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafter Österreichs in der Russischen Föderation, Dr. Emil Brix. Die fulminante Bedeutung der Veranstaltung sowie die Tragweite des erschienenen Buches als völkerverbindendes Medium wurden durch Dr. Andrej Sorokin, Direktor des Russischen Staatsarchives für sozial-politische Geschichte (RGASPI), Mag. Andres Kurz, ÖAD-Lektor an der RGGU –Lehrstuhl für Deutsche Philologie, Prof.  Dr. Olga Pavlenko, Dekanin an der Falkultät für internationale Beziehungen an der RGGU sowie Doz. Dr. Barbara Stelzl-Marx, Stv.Leiterin des Ludwig Boltzmann Institutes für Kriegsforschung veranschaulicht.

Nach dem Motto „Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, brauchen eine gemeinsame Kommunikationsplattform“  konnte sich auch der der Verein „Österreich findet euch“ e.V. vorstellen.  DANKE, Eleonore Dupuis!

Ein Bericht von Carola Schneider über die Buchpräsentation in Moskau ist am Donnerstag, den 5. Mai 2016 in ORF 2 – Niederösterreich heute um 19.00 Uhr zu sehen.  In der ORF-TVThek wird der Beitrag eine Woche lang nach der Erstausstrahlung  noch gezeigt.

http://tvthek.orf.at/program/Bundesland-heute/1293

 

Bild privat: v.l.n.r Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter Österreichs in der Russischen Föderation, Dr. Emil Brix

Buchautorin Eleonore Dupuis, Doz. Dr. Barbara Stelzl-Marx, Stv.Leiterin des Ludwig Boltzmann Institutes für Kriegsforschung

 

Russenkinder auf dem Weg zur Buchpräsentation nach Moskau

Ein Rückblick von Maria Silberstein

 

Am 23. April 2016 fuhr eine Gruppe von sogenannten Russenkindern - das heißt, unsere Väter sind russische Besatzungssoldaten (aber die meisten von uns hören lieber Befreier) nach Moskau.

Der Anlass unserer Moskau-Reise war eine Buchpräsentation von Eleonore Dupuis, die ihre Vatersuche in einem Buch niedergeschrieben hat. Zuerst in deutscher Sprache, dann wurde das Buch in russischer Sprache übersetzt und am 26. April 2016 war die Präsentation dieses Buches in Moskau.

Der Titel des Buches: „Befreiungskind“.

Dieses Buch beschreibt die jahrelange Suche nach den Wurzeln von Eleonore Dupuis.

Es ist wunderbar geschrieben – eine einzige Liebeserklärung an Russland und an das russische Volk.

Alles was Rang und Namen hat war bei dieser Buchpräsentation in Moskau dabei. Es waren ca. 150 Personen anwesend. Vom Österreichischen Botschafter in Moskau bis Frau Dr. Stelzl-Marx vom Boltzmann-Institut und noch viele hochrangige Persönlichkeiten.

Auch die drei Kinder und vier Enkelkinder von Frau Dupuis waren dabei.

Es war wirklich ein großer Tag für uns alle!

Wir hatten auch sonst ein sehr interessantes und schönes Programm in den paar Tagen in Moskau.

Jeder Tag war ausgefüllt mit Einladungen und Besichtigungen dieser schönen Stadt.

Der rote Platz, der immer wieder fasziniert, die Kremlführung, ein kleines Museum - da sieht man eine Ausstellung über jene Zeit, als Wien befreit wurde.

In dem Museum waren wir Ehrengäste. Kinder haben für uns musiziert, es war eine fantastische Sängerin dort, die einige Lieder alleine vortrug und hernach mit uns „Russenmädels“ sehr bekannte russische Volkslieder sang.

Wir wurden dort bewirtet, wie man bei den Russen eben bewirtet traditionell bewirtet wird: Es hat sich der Tisch gebogen mit vielen köstlichen russischen Speisen! Wodka wurde natürlich auch reichlich getrunken!

Es war eine derartig herzliche Begegnung, die man nur in Russland spürt. Beim Abschied

sind auch einige Tränen geflossen!

Eleonore und ich waren bei lieben Freunden zum Abendessen eingeladen. Ich kenne diese Familie auch schon länger durch ihre jährlichen Wien-Besuche, die sie machten. Sie lieben Wien und das gute Essen in Wien. Dmitrij und Tatjana machten extra für uns Schweinebraten und zum Nachtisch Apfelstrudel – und das in Moskau! Sie wollten es uns so schön wie möglich machen und es ist ihnen gelungen. Sie zeigten uns dann noch Moskau bei Nacht, was mich wieder fasziniert hat!

Einige von uns haben in Moskau auch Verwandte getroffen. Von Tatjana kam die Schwester von Smolensk mit der Bahn und meine Nichte kam mit ihrer Tochter und Enkelkind von Rostov am Don mit dem Flugzeug.

Tatjana und ich sind die einzigen die ihre Wurzeln gefunden haben – welch ein Glück! Die meisten von uns suchen aber noch immer nach ihrer Herkunft. Es ist aber so wichtig für uns alle, dass man weiß, woher man kommt!

Ich bin so froh, dass ich diese Reise mitgemacht habe, habe mich sehr wohlgefühlt und war von der Herzlichkeit dieser Menschen sehr berührt.

Wir vier "Russenmädels" waren auch im Außenministerium beim ehemaligen russischen Botschafter in Wien,  Herrn Botschafter Sergej Netschaijev eingeladen. Frau Dr. Stelzl-Marx vom Boltzmann-Institut hat uns begleitet. Wir wurden sehr nett begrüßt und es war für uns eine sehr schöne und eindrucksvolle Begegnung mit dem Herrn Botschafter.

Maria (Mascha Petrovna) Silberstein

    

Eleonore Dupuis - Brief an Mitreisende                                                                                     

 

Liebe Mitreisende nach Moskau!

 

Längst hätte ich mich bei Euch allen bedanken wollen dafür, dass Ihr so zahlreich mit mir nach Moskau zur Buchpräsentation gekommen seid. Ich bin aber erst vor ein paar Tagen heimgekommen und es war (und ist) so viel zu tun, dass ich kaum nachkomme. Und morgen fahre ich schon wieder für eine Woche fort. Doch der Anlass, Euch von ganzem Herzen zu danken ist wichtig und duldet keinen Aufschub mehr.  

Ich kann sagen, erst durch die Teilnahme von so vielen lieben Menschen, Freunden und Familie, ist die Buchpräsentation zu einem wahren Fest geworden. Noch vor einem Jahr hätte ich von einer derart großartigen Veranstaltung nicht einmal geträumt. Der riesengroße Saal war schon beeindruckend genug, und als er sich nach und nach mit so vielen bekannten Gesichtern füllte, war meine Freude groß! Wie komme ich dazu, dass zu meiner Buchpräsentation ein so hochkarätiges Präsidium Ansprachen hält, der ORF filmt und Leute aus ganz Russland, sowie Österreich und Frankreich im Saal sind? Ich kann nur staunen!

Besonders glücklich war ich über die Anwesenheit meiner Kinder und Enkelkinder aus Frankreich und Österreich. Und ebenso, dass drei der „Russenkinder“ aus Österreich und sogar eines aus Deutschland mit waren. Wir alle trugen Schals in den zwei Landesfarben, die uns Renate Brown aus Florida geschickt hatte, damit sie im Geiste auch dabei sein kann. Einige von uns, die schon ihre Familien gefunden hatten, bekamen Besuch von ihren Halbgeschwistern, die aus Smolensk, Orjol, Tichorezk und sogar aus Minsk angereist kamen. Meine Freunde kamen ebenfalls von weither: aus Beresniki (Ural), St. Petersburg, Ustjuschna, Twer sowie aus der Umgebung von Moskau, Domodedovo, Podolsk, Nikolo Urjupino usw.  

Auf mich hat das alles sehr feierlich gewirkt. Die Begrüßung des österreichischen Botschafters war sehr herzlich, er hat vor allem vom Völkerverbindenden gesprochen, das ist uns sehr wichtig. Auch die Reden der anderen Vortragenden waren sehr positiv. Meine Arbeit ist ständig gelobt worden, was mir fast schon zu viel des Guten war.  Aber wenigstens haben meine Kinder einmal gesehen und gehört, dass mein Bestreben, die russischen Wurzeln zu finden, von vielen anerkannt wird.

Mein russischer Verleger meinte, solch großartige Buchpräsentationen sind heute in Russland selten geworden. Umso mehr freut es mich, dass meine Geschichte, dieses kleine Büchlein, eine derart große Menschenmenge in die RGGU gebracht hat.

Aber auch sonst war jeden Tag ein Höhepunkt: der überaus herzliche Empfang im kleinen Museum der 4. Gardearmee, mit Konzert, Mittagessen, Blumen und Geschenken hat uns wirklich überrascht.

Am nächsten Tag Treffen bei Sergeij Netschajew im Außenministerium! Wieder etwas Besonderes. Die Kremlbesichtigung für alle, auch ein Geschenk von Herrn Netschajew. Ich glaube, man bekommt sonst nicht so leicht eine Führung im Großen Kremlpalast.

Als alle wieder heimflogen, ging es für mich weiter: Buchpräsentation in Domodedovo, arrangiert von Sergeij Tiunov. Obwohl  es nur eine kleine Veranstaltung war, hat er ein beachtliches Programm vorbereitet, mit Videofilmen von Schdi menia, eine Sängerin, die zum Buffet russische Lieder sang und sogar ein Team von TV Podmoskovje 360 war da.  

Weiter ging es für mich mit Besuchen von Freunden in verschiedenen Orten, dann die Präsentation in der Bibliothek in Twer. Auch dort haben mehrere meiner Bekannten bei der Organisation mitgeholfen. Im Saal waren ca. 50-60 Sessel aufgestellt und er wurde fast voll. Diesmal kamen noch meine Bekannten aus Uglitsch und Vyschny Volotschok, die es nicht nach Moskau schaffen konnten. Somit habe ich fast alle meine russischen Freunde gesehen und viele Bücher verteilt. Der Verlag war sehr großzügig mit Autorenexemplaren, sodass jeder ein Gratisexemplar bekam. Viele haben aber noch Bücher dazugekauft.

Wieder zurück in Moskau konnte ich zwar keinen Passierschein für die Parade am Roten Platz bekommen, aber viel mehr als die Parade hat mir am Nachmittag im Fernsehen der Marsch des «бессмертный полк» (Unsterbliches Regiment) gefallen. Tausende und Abertausende Menschen marschieren mit Fotos ihrer Angehörigen der damaligen Roten Armee. Es sind die Kinder und Enkelkinder der siegreichen Soldaten, oft auch der Gefallenen oder Vermissten. 700.000 allein in Moskau. Diese Bewegung ist erst zwei Jahre alt, es ist keine politische oder parteiische, es sind die Menschen, die nicht wollen, dass diese Soldaten vergessen werden. Und das ist ganz in unserem Sinne! Es war sehr beeindruckend!  

Somit ist eine unvergessliche Reise wieder zu Ende, aber die Erinnerung bleibt!

Eure Eleonore 

April/Mai 2016

PS.:

Wer noch den ORF Bericht aufrufen möchte (in der TVthek ist er nicht mehr), der kann ihn auf der russischen Webseite https://russian.rt.com/inotv/2016-05-07/ORF-Avstrijskie-deti-okkupacii-ishhut  sehen (auf deutsch). Außerdem gibt es noch das Interview in Domodedovo auf http://360tv.ru/news/avstrijskaya-doch-sovetskogo-soldata-ishet-otca-v-rossii-55299/

                                                                              

Es war eine tolle Veranstaltung

 

 

 

 

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